Der Erfolg der Eintracht

Hiermit möchte ich mich einmal äußern zur momentanen Erfolgsserie der Eintracht. Ist es nur ein Zufall, dass sie oben mitspielt? Haben sie durch Glück die ersten 4 Spiele gewonnen und im 5ten Spiel sogar den deutschen Meister Borussia Dortmund 3 Tore eingeschenkt und an den Rand einer Niederlage gebracht? Woher kommt dieser Erfolg? Sind die Spieler so gut? Kämpfen sie einfach so viel wie kein anderer Aufsteiger vor ihnen?

Zunächst einmal muss man feststellen, dass die Eintracht in jedem Spiel auch verdient gewonnen hat. Klar war in den entscheidenden Momenten auch immer ein bisschen Glück dabei, doch das kann man bekanntlich ja auch „erzwingen“.

Sind die Spieler so gut? Diese Frage kann man mit nein beantworten. Die Spieler der Eintracht haben nicht die Klasse der großen Stars, Robben, Ribery, Götze, Reus, Schweinsteiger, Hummels und Co. Klar gehören Rode und Schwegler sicherlich zu den besseren Bundesligaspielern, aber das alleine wird kaum den Erfolg ausmachen.

Liegt es also am Kampfgeist? Diese Frage ist wiederum nicht so einfach zu beantworten. Zum Einen ja, weil sie unglaublich viel laufen, aber zum Anderen weisen sie auch keine deutlich besseren Zweikampfwerte auf als die anderen Teams.

Was ist es dann? Meiner Meinung nach ist dieser Erfolg nicht in den in den Medien üblich genannten Aussagen begründet. Es ist kein Zufall, dass Mats Hummels die Eintracht als die Mannschaft bezeichnet hat, die bisher am besten von hinten heraus Fußball spielt und Druck aufbaut. Es liegt in meinen Augen ganz klar am Spielsystem von Trainer Armin Veh.

Er beweist mit seiner Taktik einen unglaublichen Mut, was ich gleich näher erläutern werde, denn diese taktische Variante birg große Risiken. Es handelt sich dabei um ein System, was meiner Meinung nach die Zukunft des modernen Fußballs ist. In dieser Form wurde es vor etwa 10 Jahren eingeführt vom FC Barcelona, der damit einen unglaublichen Erfolg eingefahren hat, und in Deutschland war es der BVB der sich dem zuerst angenähert hat. Darin liegen auch die 2 Meisterschaften begründet, und damit wird auch deutlich, warum der FC Bayern gegen Dortmund in den letzten Jahren so schlecht ausgesehen hat. Doch das ist ein anderes Thema, es geht hier um Eintracht Frankfurt.

Was ist das große Geheimnis?

Es fängt an mit dem Herausspielen nach einem Abstoß oder einem abgefangenen Ball.

Die Innenverteidiger Zambrano und Anderson stehen wahnsinnig breit, fast an den Außenlinien. Dies macht es für den einzelnen oder für mehrere Stürmer schwierig an den Ball zu kommen, bzw. beide abzudecken. Desweiteren rücken die Außenverteider Jung und Oczipka weit vor, spielen fast Außenstürmer. Das ermöglicht den  äußeren Mittelfeldspieler in die Mitte zu ziehen, da die Außen ja bereits besetzt sind. Doch damit nicht genug, es ermöglicht den Mittelfeldspielern fast überall hinzulaufen, die Positionen nach Belieben zu wechseln, was es dem Gegner nahezu unmöglich macht geordnet zu verteidigen.

Jetzt entsteht im Spielaufbau etwas Faszinierendes. Die Innenverteidiger stehen sehr breit, in der Lücke zwischen ihnen bewegen sich nun die zwei „6er“ Rode oder Schwegler, ab und zu auch Meier oder Inui, und holen sich den Ball ab um das Spiel nach vorne zu gestalten.

Das hat zu Folge, dass das Mittelfeld des Gegners entweder entzerrt wird, da einer von ihnen attackiert, oder aber die Eintracht kann in Ruhe in Ballbesitz sein und lässt den Gegner laufen.

In der Mittelfeldzentrale kann die Eintracht durch das Einrücken der äußeren Mittelfeldspieler fast immer eine Überzahl erzeugen, was das Halten und Spielen des Balls ungeheuer erleichtert. Dies erklärt unter anderem den meist großen Anteil an Ballbesitz der Eintracht in ihrem Spiel. Soviel nun zum Spielaufbau

Im Spiel nach vorne sind es dann vor allem die Außenverteidiger, die viele Akzente setzen können, aber auch das komplette Mittelfeld, und der Stürmer, es wird also die gesamte Mannschaft gleichermaßen  ins Offensivspiel mit eingebunden, was auch die relativ breite Anzahl an Torschützen erklärt.

Doch nicht nur das trägt zum Erfolg bei, auch das wahnsinnig schnelle Umschalten von Angriff auf Abwehr und das früher Forechecking mit anschließendem Pressing ist sehr erstaunlich. Das hat auch zu Recht BVB-Coach Jürgen Klopp als große Stärke der Eintracht im Spiel gegen Dortmund gesehen. Verliert die Eintracht den Ball, versuchen sie ihn möglichst schnell und weit vorne wieder zu erobern, was auch meist gut gelingt. Sie stehen im Zentrum durch die vielen Spieler sehr eng, was ihnen kurze Wege zum Ballführenden verschafft. Somit können sie zu zweit, dritt oder sogar viert den Ballführenden attackieren und ihn so schnell wieder erobern.

Jetzt kommt es aber zu dem Risiko, was ich oben bereits erwähnt hatte. Dieses Spielsystem birgt auch sehr große Gefahren. Armin Veh hat nicht umsonst gesagt, dass es gut ist, dass der Erfolg da ist, sonst würden ihn seine Spieler für verrückt halten.

Funktioniert das Umschalten nicht in dieser Form, oder werden im Spielaufbau einfache Fehler gemacht, wie katastrophale Abspiele oder schlechte Ballannahmen, dann ist man einem Konter meist schutzlos ausgeliefert.

Es befinden sich die Innenverteider weit außen, was die Mitte auf macht, dort steht dann meist höchstens einer der „6er“. Kontert der Gegner nun gut und schnell, steht die Eintracht meist in Gleichzahl oder sogar Unterzahl dem Gegner gegenüber, da die Innenverteidiger erst ins Zentrum rücken müssen und die Außenverteidiger weit vorne stehen.

Das hat man auch schon öfter gesehen in dieser Saison. Das ist nicht zwangsweise eine schlechte Abwehrleistung, sondern liegt auch im Offensivspiel bzw. Aufbauspiel begründet. Jetzt hat die Eintracht auf den Positionen einfach nicht so eine individuell starke Besetzung wie Dortmund oder Barcelona, und somit kommt es dann zu teils brenzligen Situationen. Diese Situationen sieht man bei Dortmund und Barcelona auch häufig, doch dort können die Verteidiger bzw. „6er“ durch ihre spielerische Klasse einfach öfter den Ball gewinnen als die Eintracht.

Es werden also auch noch Niederlagen auf die Eintracht zu kommen, was aber den Spaß, den diese Mannschaft dem Zuschauer beschert wohl kaum mindern wird. Im Gegenteil die Eintracht könnte in dieser Saison bei gleichbleibendem Spielsystem und Trainer zu einer der größten Überraschungen dieser Saison werden.

Es ist also deutlich, dass es einen tieferen Grund gibt für den Erfolg der Eintracht. Der liegt nicht begründet in den guten Spielern, oder dass die Spieler so unglaublich gut drauf sind, sondern der Erfolg liegt im System begründet. Es wird auch zu Niederlagen führen, doch ich warne davor, dieses System zu verändern, es geht nun einfach darum, es zu verfeinern.

Das wär’s dann zur Eintracht, ich habe meine Meinung somit kundgetan und gehe nicht davon aus, dass es die einzig richtige ist. Für Diskussionen bin ich gerne bereit 😉

26.09.12

Lernt von den Kindern, die wissen am Meisten.

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