Deutschlands marodes Schulsystem Teil II – Unterricht bis 16:00 Uhr?

Ich möchte mal auf das Thema Unterrichtslänge eingehen. Ist es sinnvoll die Kinder schon in den frühen Klassen bis 16:00 oder 17:00 Uhr in die Schule zu schicken?

Es muss jedem bewusst werden, dass eine Woche in einer so genannten „Ganztagsschule“ in etwa einer 40 Stunden Woche entspricht. Somit ist also die Schule für die Schüler mindestens so anstrengend wie arbeiten zu gehen für Angestellte.

Somit sind die Schüler teilweise 35-40 Stunden in der Woche (6-8 Stunden am Tag) in der Schule. Nur die Wochenenden sind frei. Zusätzlich werden von den Schülern Hausaufgaben erwartet, die den Anforderungen der Lehrer entspricht. Will man jetzt noch  ein besonders guter Schüler sein, muss man sich noch für die Stunden vorbereiten, für Arbeiten lernen und Referate vorbereiten.

Nimmt man das noch hinzu, kommt man auf locker 45 Stunden in der Woche, in denen sich mit der Schule beschäftigt wird. Für viele Angestellte eine schlimme Vorstellung, sich 45 Stunden um die Firma zu kümmern. Für Schüler ist es Alltag. Das Ganze dann auch noch ohne Lohn, nur mit der Aussicht in ferner Zukunft einen gut bezahlten Arbeitsplatz zu ergattern, ohne die Gewissheit, dass man einen solchen überhaupt bekommen kann.

Und jetzt stellt sich natürlich die Frage, ist der Ganztagsunterricht überhaupt sinnvoll? Ich möchte hier gleich vorweg sagen, dass ich mich vor allem auf die Schüler der 5.-9. Klasse beziehen werde. Schüler, die das Abitur machen können ruhig auch länger in die Schule, sie sind ja auch schon alt genug. Dass überhaupt mittlerweile in den Schulen so lange unterrichtet wird, verdanken wir (Hessen) dem eingeführten G8, was aber auch in vielen anderen Bundesländern eingeführt worden ist.

Ich möchte einmal die momentane Situation an meiner ehemaligen Schule vergleichen mit meiner Situation noch in G9.

Mein Stundenplan beinhaltete bis zur 9. Klassen keinen Nachmittagsunterricht. Wir hatten jeden Tag spätestens um 13:00 Uhr aus. Fünftklässler heutzutage haben bereits 1-2 Tage Unterricht bis 15:20 Uhr oder 14:30. In den späteren Klassen wird es nicht weniger, sondern natürlich mehr, schließlich muss das verlorene Jahr aus G9 aufgeholt werden.

Doch damit nicht genug. Sie sind nicht nur bis 14:30 oder 15:20 in der Schule, sondern müssen noch nach Hause, so sind sie dann gegen 16:00 oder gar 17:00 Uhr erst zu Hause. Zu Hause ist aber nicht Schluss mit der Schule, es gilt noch Hausaufgaben zu machen. Dies wird nicht in der Schule gemacht, weil dafür keine Zeit ist. In der Mittagspause möchten die Schüler dann verständlicherweise lieber etwas essen.

Wenn sie jetzt zu Hause sind, werden sie womöglich erst die Hausaufgaben machen und anschließend zu Abend essen. Für Sport und freies Spielen an der frischen Luft bleibt wenig Zeit. Im Winter ist es dazu noch dunkel wenn sie von der Schule heimkommen. Das muss für ein Kind ein bitteres Gefühl sein, wenn sie von Dunkelheit bis Dunkelheit in der Schule sitzen und die Helligkeit nur aus dem Klassenraum bestaunen können.

Jetzt bleibt für viele dann nur noch die Flucht vor den TV oder PC, evtl. ist dann doch nochmal Zeit einen Freund oder Freundin zu besuchen, außerhalb der Schule.

Dafür soll jetzt das Wochenende herhalten, obwohl man die ganze Woche über für die Schule gelernt und Hausaufgaben gemacht hat, sollen die Kinder jetzt am Wochenende Spaß haben und es genießen. Ehe es dann am Montag wieder in die Schule geht, wenn nicht gerade noch eine Arbeit ansteht, für die soll natürlich erst noch gelernt werden. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen…

Somit kommt es dann, dass die Kinder am Wochenende eher mal ruhig machen wollen, oder sich ablenken, teilweise leider auch mit extremen Ausmaßen (nur vorm TV, PC oder in extremsten Fällen Alkohol/Drogen).

Somit wird die Lebendigkeit, die Kinder von Natur aus haben, schon im Keim erstickt. Sie werden 40 Stunden in die Schule geschickt, müssen dazu noch Hausaufgaben machen und lernen.

Das bedeutet für die Kinder und Jugendlichen Ruhe und Konzentration auf den Lehrer, wie ich es schon im ersten Teil dieser Reihe geschildert habe (Unterrichtsmethoden).

Die Kinder und Jugendlichen flüchten dann in entweder extreme Aktivitäten, oder ergeben sich und fügen sich dem System und halten still, sind einfach zu erschöpft, um sich zu wehren. Sie verlieren jedoch so oder so ein Stück ihrer Lebendigkeit und ihrer natürlichen Lebensenergie, die mehr und mehr an Kraft verliert.

Die extremen Fälle werden mit Psychopharmaka behandelt, die anderen sind in ihrer Lebendigkeit ja schon genug eingeschränkt. Jetzt stellt sich für mich die Frage, ob unsere Minister und Politiker wissen, dass es so ist und nichts dagegen tun, oder ob es einfach nur Unwissen ist? Was ist die wahrscheinlichere Variante?

Lernt von den Kindern, die wissen am Meisten.

 

 

 

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