Facebook und Co. – Zerstörung des sozialen Kontakts?

Die sogenannten „sozialen Netzwerke“ sollen die Kommunikation der Menschen verbessern. Dazu sollen die sozialen Kontakte nun online gepflegt werden. Doch ist das wirklich eine Verbesserung der Kommunikation? Gibt es evtl. auch Probleme mit diesem Mittel der Kommunikation? Bleibt dadurch nicht das wahre Leben auf der Strecke?

Ich möchte gleich zu Beginn erwähnen, dass ich in keinem sozialen Netzwerk angemeldet bin. Ich gehöre zu den ganz wenigen Menschen auf der Welt, die einen PC und Internet haben, aber kein Facebook-Account. Deswegen kenne ich mich nicht zu 100% in diesem Bereich aus, aber ich erfahre trotzdem einiges, was dort so abläuft.

Ich möchte jetzt nicht auf die Gefahren eingehen, wenn man seine privaten Daten ins Netz stellt. Das soll doch jeder selbst wissen, was er wann, wie und wo ins Netz stellt. Jedoch sollte man beachten, das Internet vergisst NIE!

Es wurde als große Errungenschaft gefeiert und es hat durchaus auch seine Vorzüge. So muss man nicht mehr von jedem die Telefonnummer wissen, man braucht keine Telefonrechnung zu zahlen. Eine einfache Internetverbindung reicht und schon können Nachrichten, Videos, Bilder und vieles mehr verschickt und mit anderen geteilt werden. Es entgeht jetzt niemandem mehr, wo man gewesen ist und was man getan hat, sofern man es „gepostet“ hat.

Jetzt ist es natürlich klar, dass das gerne angenommen wird. Ich kann jetzt Nachrichten an eine ganze Gruppe verschicken, ohne großen Aufwand. Das Training nächste Woche fällt aus, die Einladungen für die Weihnachtsfeier, alles kann jetzt im nu verschickt und auch gleich können die Zusagen schon gepostet werden. Dazu kann das Programm besprochen werden, mit allen Teilnehmern.

Also ist doch alles gut oder? Gibt doch keine Nachteile, es ist doch wirklich ein soziales Netzwerk.

Das ist natürlich richtig, doch wir müssen jetzt auch mal weiterschauen. Die Nachrichten sind also übers Netzwerk leicht zu verbreiten, denn es ist ja jeder drin, die ganze Mannschaft, die Arbeitskollegen, sogar die Familie.

Es wird aber über kurz oder lang dazu führen, dass die Leute irgendwann fast jedes Gespräch über das Netzwerk führen. Und wie oben bereits erwähnt, das erfährt dann jeder, und das Internet vergisst nie. Es entsteht… der gläserne Bürger. Was für viele als Horrorvorstellung galt, nehmen die Menschen heute freiwillig in Kauf und setzen teilweise sehr private Nachrichten ins Netz. Selbst die sogenannten Privatnachrichten werden von Facebook gespeichert.

Natürlich heißt es nun: „Wer nichts zu verbergen hat, kann das ja tun“. So kommt es sogar dazu, dass ich schon mehrfach gehört habe, dass Leute glauben, alle die nicht in facebook sind, seien ja schon verdächtig. Solch ein Schwachsinn, es darf ja wohl noch jeder selbst entscheiden, ob er sein Privatleben öffentlich führt oder nicht.

Jetzt möchte ich aber nochmal zur Überschrift zurückkehren, es heißt: Die Zerstörung des sozialen Kontaktes…

Das ist doch jetzt Blödsinn, ich habe doch oben die ganzen schönen Vorteile genannt. Es ist doch der soziale Kontakt schlechthin, wenn ich mit vielen auf einmal kommunizieren kann und das sogar (fast) kostenlos.

Doch ich sehe das anders. Ein wirklich sozialer Kontakt entsteht für mich erst durch einen wirklichen persönlichen Kontakt. Wenn ich meinem Gegenüber in die Augen sehen kann und seine Reaktionen erlebe, sehe, höre und fühle, dann habe ich einen echten Kontakt. Selbst ein Telefonat hat eine andere Qualität als ein Text, da dort Ton und Text übermittelt werden.

Natürlich kann ich auch vor dem Bildschirm oder am Telefon Gefühle entwickeln, aber die sind aus meiner Erfahrung nicht so intensiv, wie ein direkter Kontakt.

Es geht aber noch weiter. Wenn ich jemanden gegenüber habe, auf dessen Profil ich in Facebook war, dann kenne ich ihn teilweise schon gut. Wo bleibt jetzt das Interessante? Es geht auch der Gesprächsstoff aus, man kennt ja schon die ganzen Facebook-Nachrichten. Das kann sogar soweit führen, dass sich Gegenübersitzende permanent mit dem Handy oder Smartphone beschäftigen, man könnte ja etwas verpassen.

Auch kommt es oft dazu, dass der Handybildschirm als Ablenkung genutzt wird. Ich zeige meinem Gesprächspartner einfach etwas auf den Display, dann können wir uns darüber unterhalten. So geht schon der für mich wichtigste Kontakt, der Sichtkontakt, verloren. Wir müssen uns immer mehr ablenken, weil wir nicht mehr auf den Gegenüber eingehen wollen. Es geht nur noch darum etwas zu erzählen und schauen zu haben.

Viele sind auch nicht in der Lage z.B. zu zweit oder dritt in einem Raum zu sitzen und einfach untereinander etwas zu tun, ohne technische Hilfsmittel. Ein einfaches Würfel- oder Brettspiel kann eine unglaublich schöne Erfahrung sein, spannender als jedes Computerspiel. Man sieht die Emotionen der Mitspieler, kann sie hören und spüren. Vor dem PC in Online-Spielen (die auch in sozialen Netzwerken häufig gespielt werden) wird das natürlich schwierig, selbst mit Webcam.

Es wird also deutlich, dass wir es verlernen emotional und mit allen Sinnen auf unseren Gesprächspartner einzugehen, mit ihm zu lachen, zu weinen, zu schreien oder zu feiern. Es kann sogar ein einfaches ruhiges Schweigen und nur beobachten des Gegenübers eine schöne und hoch emotionale Situation sein, doch geht durch den Kontakt über „soziale Netzwerke“ verloren. Wir müssen uns dort über Bilder und Nachrichten identifizieren, aber die wirklichen Gefühle kommen nicht zum Tragen. Sie zählen einfach nicht.

Hier geht des Menschen stärkste Waffe zu Grunde. Gefühle wie Liebe, Hass und Trauer sind in Wahrheit das, was uns am Leben hält. Wir sollten uns nicht nur über unsere Nachrichten und Äußerlichkeiten identifizieren, sondern über das, was uns wirklich bewegt.

Es ist unsere unglaublich breite Palette an Emotionen, die wir nicht nur zum Ausdruck bringen müssen, sondern auch aufnehmen, um einen wirklichen sozialen Kontakt zum Mitmenschen aufzubauen. Dies geht nur über den direkten Kontakt über Hören, Sehen, Fühlen, Schmecken, Riechen, über all unsere Sinne.

Genau das müssen wir von unseren Kindern lernen, sie leben es in eindrucksvoller Weise vor und deswegen sage ich auch immer und immer wieder:

Lernt von den Kindern, die wissen am Meisten.

 

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