Wettbewerb, nur im Sport sinnvoll?

Ich möchte hiermit einmal ein Thema aufmachen, welches mich schon seit längerer Zeit beschäftigt. Es ist das Thema Wettbewerb, was uns in fast allen Bereichen des Lebens als etwas Wichtiges eingetrichtert wird. Ohne Wettbewerb keinen Fortschritt in der Industrie, ohne Wettbewerb kein Anreiz etwas zu tun, ohne Wettbewerb kein Wohlstand, ohne Wettbewerb kein Lernen in den Schulen, usw… Überall heißt es wettbewerbsfähig muss man sein.

Doch was ist da wirklich dran? Ist wirklich ein Wettbewerb notwendig um Wohlstand zu erreichen? Ist es richtig, dass die Menschen nur durch Wettbewerb überlebt haben?

Ich will erst einmal feststellen, dass Wettbewerb wirklich sinnvoll sein kann.

Eine Sportart z.B. macht ohne Wettbewerb keinen Sinn. So achte ich in jedem Fußballtraining, dass immer wieder eine Wettbewerbssituation entsteht. Es gehört für mich beim Sport dazu, dass man einen gesunden Ehrgeiz entwickelt, sich nicht geschlagen zu geben. Doch über diesem Ziel, nicht zu verlieren und vor allem zu gewinnen, steht die Fairness.

Nirgendwo anderes als im Sport ist sein Gegner so wichtig, sei es beim Fußball, Tennis, oder Boxen. Ohne Gegner kann man nicht spielen, deswegen soll er auch zu jederzeit respektiert aber dennoch besiegt werden.

Ein weiterer Grund, warum der Wettbewerb beim Sport wichtig ist und auch in der Regel gut funktioniert, ist die Regelung. So macht ein Wettbewerb nur Sinn und ist gerecht, wenn die Regeln von beiden befolgt werden. Ein Fußballer, der den Ball in die Hand nimmt und ins Tor wirft wäre ebenso unfair wie ein Boxer der mit Schlagring antritt. Darum funktioniert es, weil die Grundlagen bei allen Beteiligten in Form der Regeln gleich sind.

Kann man jetzt nun diesen Wettbewerbsgedanken im Sport auch auf alle anderen Bereiche des Lebens übertragen?

Ich denke nicht. Meiner Meinung nach sollten wir unsere ganze Energie, die wir in Wettbewerben außerhalb des Sports, lieber im Sport fair austragen.

Die Menschen sollen lernen, dass man in Kooperation mehr erreichen kann, als im Wettbewerb.

So ist es doch ganz klar, wie es auch schon in der frühestens Menschheitsgeschichte deutlich wird, dass die Menschen zusammen mehr erreichen können. Eine Jagd mit 5 Menschen auf Tiere war effektiver als ein Einzelner. Auch der Bau einer Siedlung war doch wesentlich einfacher mit so vielen Händen wie möglich: Viele Hände, schnelles Ende.

Ich denke darüber sollten wir im Klaren sein, dass diese Fortschritte nicht dadurch erfolgt sind, dass Wettbewerbssituationen geherrscht haben, sondern dadurch, dass sich mehrere Menschen zusammengeschlossen haben um etwas herzustellen. Auch wenn es vielleicht nicht immer nur freiwillig passierte.

Selbst die größten Unternehmen sind nicht durch den Wettbewerb entstanden, sondern durch die Menschen, die dieses Unternehmen unterstützt haben, selbst als Sklaven gehört man zu dieser Gruppe. Es ist also ein Zusammenschluss von vielen, die ein großes Unternehmen aufgebaut haben. Es ist in meinen Augen ganz sicher nicht der Wettbewerb der verschiedenen Unternehmen, die zur Vergrößerung geführt hat. Sicher hat auch das seinen Anteil, doch ohne die vielen Mitarbeiter wäre es unmöglich.

Doch das so etwas nicht nur passiert, weil jemand Geld dafür bekommt, wird in einem anderen Zusammenhang deutlich. In der Familie.

Haben sie schonmal ein Baby gesehen, dass nachdem es gestillt wurde eine Rechnung der Mutter bezahlen musste? Ich noch nicht.

In einer Familie, aber auch unter guten Freunden ist es selbstverständlich, dass nicht jeder Aufwand in Geld gezahlt wird. So ist doch beispielsweise das Großziehen der eigenen Kinder keine Leistung, für die man Geld bekommt, sondern das Kind ist der Lohn für die schwere Leistung, und dieses will man doch wohl kaum gegen irgendein Geld eintauschen.

Es ist für mich klar, dass nicht das Geld in einer gesunden Gemeinschaft wichtig ist, sondern die Menschen. Darauf sollten wir uns besinnen, dass die Menschen mit keinem Geld der Welt bezahlbar sind.

Das ewige Konkurrenzdenken schadet am meisten unseren Kindern. Jedes Kind solle ja besser sein als die Anderen, doch ist das wirklich die Natur des Menschen? Wollen die Menschen wirklich immer nur besser sein als andere?

Ich habe es schon viele Erfahrungen mit Kindern gemacht, und das letzte was ihnen wirklich gezählt hat, war es besser zu sein als andere. Wenn es solche Kinder gibt, sind sie sehr schnell unbeliebt. Die beliebtesten Kinder sind die Kreativen, die die mit jedem anderen Kind zurechtkommen und sich nicht in den Vordergrund drängen.

Bei den Kindern wird auch nicht mit Geld gezahlt, und trotzdem tun sie permanent Dinge, sie erschaffen aus eigenem Antrieb neue Sachen, malen, basteln, bauen oder unterhalten sich. Vor allem Bewegung ist gefragt.

Laut den Regeln des Wettbewerbs dürften sie das gar nicht tun. Sie müssten sich permanent mit anderen messen. Doch sie machen das, worauf sie gerade Lust haben und bauen, malen oder basteln teilweise völlig unterschiedliche Dinge ohne darauf zu achten, dass es größer und besser ist.

Die Kooperation ist bei den Kindern im Kindergartenalter eher noch nicht so ausgereift, doch bemerken auch die Kinder recht schnell, dass spielen nur alleine nicht immer so viel Spaß macht. Sie versuchen dann auch mit der Umgebung zu Kooperieren indem sie mit anderen Kindern spielen. Daraus folgt dann der größere Nutzen in Form von mehr Spaß. Sie bemerken zusätzlich, dass sie zu zweit z.B. höhere Gebäude bauen können, oder eine Wand schneller bemalen können oder auch einfach nur besser klettern können, wenn ein anderer Starthilfe gibt, oder festhält.

Nur in der Schule wird es dann schwierig. Dort wird dann durch die individuelle Notenvergabe schon eine Wettbewerbssituation erzeugt, die nicht auf Kooperation sondern Konkurrenz aus ist. Es ist deutlich, dass dann jeder anfängt sich nur um sich selbst zu kümmern. Manche sind aber dann noch so weit, und haben ein Auge für die Mitschüler, doch das wird bei Notenvergaben in der Regel nicht berücksichtigt.

Das wir auf der Grundlage eines solchen Schulsystem die Menschen oft nur durch Wettbewerb zur Leistung bringen, sollte wohl klar sein.

Es heißt ja bekanntlich, gemeinsam ist man stark, doch das wird in der Schule und auch später kaum gelehrt. Nur die Konkurrenz helfe uns weiter, damit wir uns immer weiterentwickeln. Doch ich sage ganz klar, dass wir in Kooperation wesentlich mehr erreichen können und das dies keineswegs dem Fortschritt im Wege steht, im Gegenteil.

Lernt von den Kindern, die wissen am Meisten

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