Freies Spielen entspannt die Atmosphäre! – Und dabei lehrt es auch.

Ich habe in der letzten Woche eine sehr schöne Erfahrung mit einer Gruppe von Kindern machen dürfen. Mit meiner Fußballmannschaft verbrachte ich einen kompletten Tag auf dem Sportplatz. Zunächst klang es eigentlich nach viel Arbeit. Eine Gruppe von 10 – 12 Kindern über 9 Stunden bei Laune zu halten.

Einen schönen Plan hatte ich mir zu Recht gelegt. Darin waren viele verschiedene Spiele enthalten, natürlich war auch ein Fußballspiel dabei.

Nach diesem Fußballspiel schien sich aber zunächst die Gruppe aufzulösen. Jeder wollte etwas anderes machen und tat das auch. Ich war jetzt in der Situation entweder die Kinder spielen zu lassen, dabei aber in Gefahr zu laufen den Überblick zu verlieren, oder aber meine ausgedachten Spiele zu veranstalten.

Da ich meine Mannschaft schon ein paar Jahre kenne, war mir klar, ich vertraue ihnen und lasse sie in Ruhe spielen. Diese Entscheidung war goldrichtig!

Die Kinder tobten sich aus, mussten mir jedoch immer Bescheid sagen, wo sie sich in etwa befinden werden. Das hat auch prima geklappt, ich wusste also ungefähr wo sie waren und konnte sie dann pünktlich zum Essen einsammeln.

Beim Essen geschah etwas, was ich noch nie erlebt habe mit einer Gruppe von Kindern. Die Kinder waren total entspannt und es entstand keine Hektik beim Essen. Sie unterhielten sich in aller Ruhe, ohne dabei laut herumzuschreien und jeder aß in seinem Tempo, es wurde kein Wettkampf zwischen ihnen veranstaltet. Das hat mich sehr beeindruckt und ich bin überzeugt, dass dies wegen des vorherigen freien Spielens so war.

Bisher hatte ich nämlich noch nie ein nahezu völlig freies Spielen den Kindern ermöglicht und beim zusammensitzen herrschte dann stets eine unglaubliche Unruhe, vor allem beim Essen.

Jetzt habe ich mir einmal die Frage gestellt, warum das so sein könnte. Nun ja ich denke, da wir Erwachsene selbst sehr gerne mal eine Mittagspause bei der Arbeit machen und dabei am liebsten in Ruhe essen, haben die Kinder das jetzt auch so empfunden. Sie waren sehr aktiv in ihrem Spiel drin, und jeder hat sein eigenen Teil dazu beigetragen, jeder durfte sich austoben. Durch diese doch schon große Anstrengung hatten sie in meinen Augen das natürliche Bedürfnis eine Pause zu machen, natürlich waren sie auch hungrig.

Mir wurde also klar, dass auch Kinder ein Bedürfnis nach Pause und Ruhe haben, und dadurch, dass jeder vorher seiner Energie freien Lauf lassen konnte, waren sie während dem Mittagessen auf einem ähnlichen „Energieniveau“. Der eine ist etwas mehr gerannt als der andere, doch dieser braucht auch das Rennen nicht um seine Energie auszuschütten.

Es war also allen klar, dass wir eine Pause einlegen wollten, das wollten nicht nur wir Betreuer, sondern auch die Kinder und jeder nahm, wie aus einem natürlichen Verständnis die Unruhe und Lautstärke heraus. Es schien als wären wir eine große „vorbildliche“ Familie gewesen, die in aller Ruhe zu Mittag aß.

Erst als die Ersten aufgegessen hatten, kam ein wenig Unruhe auf, doch nachdem ich eine kurze Ansage machte über das Nachmittagsprogramm und die fertigen Kinder herausschickte, waren die etwas langsamer essenden Kinder noch in Ruhe beim Essen. Niemand wollte unbedingt schnell hinterher.

Es war also eine total entspannte Atmosphäre und so war der Nachmittag auch. Selbst bei den dann von mir vorbereiteten Spielen zogen alle mit, und hatten sichtlich Spaß dabei.

Ich kann also jedem nur empfehlen, der eine wirklich tolle Erfahrung mit Kindern sammeln möchte, soll sie einfach frei spielen lassen. Niemals in ein Spiel eingreifen, sondern die Kinder das entscheiden lassen, wenn sie wollen, dass ein Betreuer mitspielt, dann melden sie sich schon. Wir sollten auch den Kindern nicht so viele Anweisungen geben, und sie nicht zu sehr in ein engen Zeitrahmen stecken, denn das habe ich spätestens jetzt gelernt, ist der Todfeind der Kinder.

Zusätzlich will ich noch erwähnen, dass die Kinder durchaus viel gelernt haben. Sie haben sich im Wald ausgetobt und sind auf viele verschiedene Pflanzen gestoßen. Sie wollten auch einen Hasen fangen und haben sich zusammen überlegt, was Hasen essen, und wie man am Besten eine Falle bauen kann. Ganz wichtig jedoch in meinen Augen waren die vielen sozialen Kontakte, die sie knüpfen mussten. So waren sie auf sich alleine gestellt und mussten sich in einer Gruppe verständigen, sie lernten dadurch ein großes Stück Selbstverantwortung.

Es ist also nicht nur so, dass die Kinder einfach irgendetwas spielen, sondern sie lernen bei diesem Spielen ganz wichtige Voraussetzungen für ein sozialen Umgang untereinander.

Lernt von den Kindern, die wissen am Meisten

 

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