Trennung und Scheidung und die Auswirkungen auf die Kinder Teil 2: Auswirkung auf die Psyche der Kinder

Die Psyche der Kinder leidet unter der Trennung erheblich. Nach der Langzeitstudie von Wallerstein und Lewis (vgl. Wallerstein/Lewis 2001)[1] gibt es viele verschiedene psychische Belastungen für die Kinder. Eines der am Häufigsten vorkommenden Ängste der Kinder ist es, von einem Elternteil ebenfalls verlassen zu werden.

Die Kinder denken sich, wenn die Mutter den Vater verlässt, dann kann die Mutter auch das Kind verlassen. In dieser ständigen Angst leben die meisten Kinder nach der Trennung ihrer Eltern. Diese Angst verbindet sich nun zusätzlich damit, dass nun beide Elternteile (mehr) arbeiten müssen und somit auch weniger Zeit für das Kind haben. Dies kann eine große Enttäuschung für das Kind bedeuten, dadurch verliert das Kind an Vertrauen in seine Eltern. Das Kind muss also in jedem Fall auch viel Zeit alleine oder bei anderen Bezugspersonen verbringen.

Es gibt auch viele Beispiele, bei denen die Kinder ein Stück weit in die Rolle des verlorenen Partners seitens der Elternteile gesteckt werden. Diese Rolle kann das Kind allerdings nicht erfüllen und es fühlt sich schnell überfordert. Ein Kind einer alleinerziehenden Mutter kann nicht die Funktion des verlorenen Partners übernehmen, erst recht nicht, wenn das Kind noch sehr jung ist, selbst Jugendliche sind nicht in der Lage diese doppelte Funktion ausfüllen zu können.

Die Auswirkungen der Trennung der Eltern reichen bis in die späteren Lebensphasen, dies fand Fassel in einer qualitativen Studie 1994 heraus. Erwachsene Scheidungskinder, deren Eltern sich getrennt haben, während das Kind unter 5 Jahre alt war, besitzen nach Fassel eine große Angst vor Intimität, sie haben Angst davor zurückgewiesen zu werden und wollen in ihren späteren Beziehungen ihr „Allerbestes“ geben um Anerkennung zu erlangen. Desweiteren haben sie Angst vor dem Verlassenwerden (vgl. Fassel 1994, zit. nach Levnaic 2011)[2]

Hier wird deutlich, dass es schwer wird für den späteren Erwachsenen, eine gesunde Beziehung zu den Mitmenschen vor allem einem Lebenspartner aufzubauen. Die psychische Belastung tragen sie immer bei sich.

Die Kinder werden belastet mit vielen Ängsten, wenn sie die Trennung der Eltern miterlebt haben, selbst wenn die Kinder noch im Kleinkindalter sind. Diese Kinder erleben schwere Situationen, mit denen sie lernen müssen umzugehen.

Es zeigen sich also viele Beispiele von schwerwiegenden psychischen Belastungen der Kinder. Die Kinder können aber diese Phasen auch erfolgreich überwinden, wie im nächsten Kapitel „Resilienz der Kinder“ aufgezeigt wird.


[1] Wallerstein, Judy S./Lewis, Julia (2001): Langzeitwirkungen der elterlichen Ehescheidung auf Kinder – Eine Längsschnittuntersuchung über 25 Jahre. In: Zeitschrift für das gesamte Familienrecht, Nr. 2, Jg. 48, 66-72.

[2] Levnaic/Natascha (2011): Langfristige Folgen einer erlebten elterlichen Scheidung/Trennung. In: Werneck, Harald/Werneck-Rohrer, Sonja (Hg.): Psychologie der Scheidung und Trennung, Wien: Facultas Verlags und Buchhandels AG, 89-96.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s